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BRUGG: «Radio Lipstick» geht im Sommer einen Monat lang auf Sendung
Abheben vom Streamline-Radio 

Bald live auf Sendung: Corinne Portmann und Oliver Flückiger vom Verein «Radio Lipstick»
 
   
Im Juli geht im Aargau ein neues
Radio auf Sendung. Einen Monat lang wird der Verein «Radio Lipstick» vom Brugger Salzhaus aus senden. Das besondere daran: Am Mikrofon sitzen Jugendliche. Die treibende Kraft heisst Oliver Flückiger.


Das Medium Radio fasziniert Oliver Flückiger schon fast sein ganzes Leben. Er war noch keine fünf Jahre alt, als er sich am Mikrofon versuchte, damals mit einem Kassettenrecorder. Heute ist der Riniker Kanti-Schüler 18 Jahre alt und hat sehr klare Vorstellungen: «Radio ist ein schnelles Medium, spontan, und man kann alles selbst machen und kontrollieren.» 
 
Vor acht Jahren gründete er «Radio Lipstick». Was der Begriff Lipstick bedeutete, war dem damals Zehnjährigen nicht ganz klar, aber es klang nach «Joystick»; der gleichnamige Piratensender faszinierte ihn ungeheuer.
Inzwischen ist Oliver Flückiger so markenbewusst, dass er weiss, dass der
Begriff «Radio Lipstick» in der Medienszene bekannter ist als sein eigener Name. 
 
Oliver bewarb sich als Hitparaden-Boy bei DRS 3 und kam in den Final. Radio Argovia berichtete über den umtriebigen Teenager. «Radio ist Musik, und ich brauche das», sagt er, «Radio ist unverwechselbar.» Im Herbst 2001 machte er seine ersten realen Erfahrungen im Äther, jobbte bei einem Aarauer Veranstaltungsradio. Dabei merkte er, dass ihn nicht nur das Moderieren faszinierte, sondern der Journalismus, der dahinter steckt, oder ­ um eine Stufe höher zu greifen ­ das Aufbauen eines Sendebetriebes.

Dem ist Oliver nun einen Riesenschritt näher gekommen: Im Juli geht er mit einer Gruppe Gleichgesinnter auf Sendung. Dazu hat er aus dem Ein-Mann-Unternehmen «Radio Lipstick» einen Verein gemacht und sich beim Bakom (Bundesamt für Kommunikation) um eine Kurzzeit-Konzession bemüht. Der Verein zählt mittlerweile rund 15 Mitglieder, meist Kanti-Schüler wie Oliver. Das Bakom hat dem Gesuch stattgegeben und wird drei Frequenzen freischalten. Einen Monat lang dürfen die Jugendlichen zwischen Zurzach und Zofingen quer durch den Kanton ein eigenes Programm ausstrahlen. «Es soll für jeden etwas dabei sein», sagt Oliver, «aber in erster Linie ist es ein Radio von jungen Leuten für junge Leute.» Musikalische Zielgruppe sind die 14- bis 24-Järigen. Sendebeginn ist der
5. Juli ­ gleich nach dem Brugger Jugendfest; Sendezentrale ist das Salzhaus, in dem die Stadt Brugg dem Verein zwei Räume zur Verfügung stellt. 
 
«Jetzt muss es sein»
 
Radio Lipstick
Aarau, Baden, Olten: 95.8 UKW - Brugg: 101.3 UKW ab 5. Juli 2003 für einen Monat
   
Dass es so weit kommen konnte, verdankt Oliver einem Zufall und der Grosszügigkeit eines Schweizer Ausrüsters. «Ich hatte die Idee eines eigenen Radioprojektes schon länger im Hinterkopf», erzählt er. Aber ohne technisches Equipment ist die beste Idee nicht realisierbar. Als Oliver hörte, dass die Firma Studer Schweiz einer St. Galler Schülergruppe ein Mischpult zur Verfügung gestellt hatte, beschloss er, sich an diese Firma zu wenden. Er schrieb ein E-Mail mit einer diesbezüglichen Anfrage. Die Antwort kam noch in der gleichen Stunde: Studer fragte, wann und wohin er das Mischpult liefern sollte.

«Jetzt habe ich keine andere Wahl, jetzt muss es sein», sagte sich der Radiomacher in spe. Ende des letzten Jahres veröffentlichte er einen Aufruf in der aargauischen Kanti-Zeitung «Troubadour», um Mitstreiter für sein Projekt zu finden. Eine von ihnen ist Corinne Portmann, die noch vor Sendebeginn an der Kanti Wohlen Matur machen wird. Für sie ist «Radio Lipstick» ein mögliches Sprungbrett in den Beruf Journalismus. Sie hat bereits Erfahrungen gesammelt, schrieb für Schülerzeitungen und arbeitete beim Radio «Kanal K». Wie alle jugendlichen Mitglieder des Sendeteams wird sie in der Redaktion arbeiten und Sendungen moderieren. «Alle machen alles», ist Olivers Philosophie. Begleitet werden die Vereinsmitglieder ­ von denen zehn am Mikrofon zu hören sein werden ­ dabei von zwei Medienprofis, die nicht direkt im Team mitarbeiten, und zwei Technikern. 
 
«Wir möchten uns abheben von den Stremline-Radios.» Das hat sich Oliver Flückiger in seiner geradlinigen Art zum Ziel gesetzt. Er weiss, dass er das Radio nicht neu erfinden kann, aber «wir können viel Neues machen». Das Internet wird dabei eine wichtige Brückenfunktion zwischen Information und Radiosendung einnehmen.

Klar sieht Oliver auch seine Auffassung von Information. «Radio Lipstick» wird regelmässig Nachrichtensendungen bringen; die Hintergrundinformationen beziehen die Jung-Journalisten von den grossen Depeschenagenturen. Seriös sollen die Nachrichten aufbereitet werden, darauf legt Oliver grössten Wert. Auch bei wichtigen Anlässen will das Team live dabei sein.

Zuzutrauen ist den künftigen Radio-redaktoren und -moderatoren einiges. Die Macher von «Radio 24» und
«Hitradio Z» hätten sonst wohl nicht versprochen, bei «Radio Lipstick» reinzuhören und ein Feedback zu geben. 
 
Radio Lipstick
 
 


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